Eine Freitodbegleitung folgt einem strukturierten und nachvollziehbaren Verfahren. Ziel ist eine medizinisch und ethisch abgesicherte Entscheidungsgrundlage, die sowohl die betroffene Person als auch das nahe Umfeld einbezieht. Angehörige können — sofern dies von der sterbewilligen Person gewünscht wird — an einzelnen Schritten teilnehmen, um Transparenz und Mittragen zu ermöglichen.
Die Bearbeitung läuft zügig — in der Regel innerhalb weniger Tage — folgt aber stets klar definierten medizinischen und ethischen Prüfschritten. Seit Anfang 2026 wenden wir zusätzlich ein erweitertes Mehraugen-Prinzip an: Die Beurteilung der Freiverantwortlichkeit und die Entscheidung über die Aufnahme treffen mehrere qualifizierte Fachpersonen gemeinsam — für mehr Sicherheit und Nachvollziehbarkeit auf allen Ebenen.
Die folgende Übersicht zeigt die Schritte vom ersten Kontakt bis zur ärztlich begleiteten Freitodbegleitung.
Der erste Kontakt verläuft telefonisch über unsere Zentrale. Dort wird Ihr Anliegen aufgenommen und an unser Team weitergegeben. Aufgrund der hohen Anzahl an Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet kann es zwei bis drei Tage dauern, bis ein Rückruf erfolgt. Im ersten Telefonat geht es darum, ein erstes Gefühl für Ihre Situation zu entwickeln.
Wenn das Anliegen schlüssig und medizinisch nachvollziehbar wirkt, schicken wir Ihnen auf Wunsch unsere Antragsunterlagen zu. Sie füllen diese aus, unterschreiben und senden sie uns zurück.
Da unsere Arbeit konsequent fallbezogen ist, erfolgt jede Prüfung individuell durch unsere aufnehmenden Ärzte. In der Regel erhalten Sie binnen weniger Tage Rückmeldung darüber, ob Ihr Antrag Aussicht auf Erfolg hat — oder welche weiteren Schritte sinnvoll sind.
Sobald die ärztliche Vorprüfung ergibt, dass Ihr Anliegen medizinisch und rechtlich plausibel ist, erfolgt die Aufnahme in unsere strukturierte Falldokumentation. Sie ermöglicht eine sorgfältige Erfassung und koordinierte Bearbeitung aller folgenden Schritte.
Im Rahmen der ersten Begutachtung führt der zuständige Arzt ein ausführliches Gespräch mit der sterbewilligen Person. Erfasst werden Krankheitsverlauf, Entscheidungsfähigkeit, Freiverantwortlichkeit und mögliche Alternativen — einschließlich palliativer Optionen. Das Gespräch dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten. Angehörige können — wenn gewünscht — daran teilnehmen. Die Ergebnisse werden schriftlich dokumentiert und fließen in das Gesamtgutachten ein.
Zur zusätzlichen Absicherung folgt eine zweite, unabhängige ärztliche Bewertung. Sie überprüft die Einschätzung der Freiverantwortlichkeit und der medizinischen Lage. Seit Anfang 2026 ist dieser Schritt Teil unseres erweiterten Mehraugen-Prinzips — mehrere Fachpersonen prüfen die Unterlagen und bestätigen die Befunde gemeinsam.
Wenn im Verlauf Hinweise auf psychische Belastungen, ambivalente Beweggründe oder mögliche äußere Einflüsse auftauchen, wird zusätzlich eine psychologische Begutachtung veranlasst. Sie klärt, ob die Entscheidung wirklich frei, stabil und unbeeinflusst getroffen wird. Sie wird nur durchgeführt, wenn dies aus fachlicher Sicht erforderlich erscheint — nicht routinemäßig.
Nach Abschluss der vorherigen Schritte und der endgültigen Entscheidung kann — entsprechend Ihrer Situation und Ihres Wunsches — ein Termin zur Freitodbegleitung vereinbart werden. Die Durchführung erfolgt durch einen erfahrenen Arzt unter standardisierten medizinischen Bedingungen. Auf Wunsch können Angehörige anwesend sein. Die ärztliche Dokumentation und alle Meldungen an die zuständigen Behörden übernehmen wir vollständig im Anschluss.
Der Tag verläuft ruhig, klar und in einer Atmosphäre, die der betroffenen Person Würde und Geborgenheit zugleich gibt. Begleitet wird er vom Arzt sowie einer Freitodbegleitung. Nach Unterzeichnung der letzten Dokumente wählt die Patientin oder der Patient den Ort des Abschieds — zu Hause, im Garten oder an einem anderen vertrauten Platz.
Der Arzt legt die Infusion. Den entscheidenden Schritt — die Aktivierung — vollzieht die Person selbst. So liegt die Entscheidung bis zum letzten Moment in eigener Hand. Die Begleitung sorgt für einen geschützten Rahmen und betreut die Angehörigen.
Der Übergang verläuft sanft und schmerzfrei. Nach Eintritt des Todes werden alle Formalitäten — ärztliche Feststellung, Dokumentation und Benachrichtigung der zuständigen Stellen — routinemäßig erledigt.
Der Abschied findet in den eigenen vier Wänden oder an einem frei gewählten Ort statt — dort, wo sich die betroffene Person am wohlsten fühlt.
Wer beim Abschied dabei ist, entscheidet allein die betroffene Person — im engsten Kreis oder mit Familie und Freunden.
Jede Entscheidung bleibt bis zuletzt umkehrbar. Der gesamte Prozess kann jederzeit angehalten oder verschoben werden.
Angehörige sind ausdrücklich eingeladen — durch Worte, Rituale oder durch stille Anwesenheit.
Der Arzt übernimmt die medizinische Begleitung; die Freitodbegleitung sorgt für Ruhe und Rahmen.
Alle gesetzlichen und ärztlichen Vorgaben werden eingehalten. Die Dokumentation erfolgt sorgfältig — nicht nur als Pflicht, sondern als Schutz für die Angehörigen.
Wir bleiben vor Ort, bis alle Formalitäten erledigt sind und die Angehörigen bereit sind, Abschied zu nehmen.
Wir respektieren jede Haltung und geben Raum für persönliche Überzeugungen.
Auf Wunsch vermitteln wir Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Begleitung und Trost bieten.
Unsere Broschüre bietet vertiefende Einblicke in unsere Arbeit — mit klaren Informationen zum Ablauf, zu den rechtlichen Grundlagen und zu persönlichen Perspektiven auf einen selbstbestimmten Lebensabschluss.
Wenn jemand den Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende äußert, ist das auch für die Menschen drumherum eine tiefe Erfahrung. Wir tragen die Last der Organisation, damit Angehörige sich auf das Wesentliche konzentrieren können: dasein, Abschied nehmen, Würde, Ruhe.
Wir übernehmen Unterlagen, Formalitäten und behördliche Abstimmungen.
Jeder Schritt wird transparent erklärt — für Sicherheit und Vertrauen.
Unsere Freitodbegleitung kümmert sich um die Angehörigen und den ruhigen Verlauf.
Wir schaffen Raum für Nähe, Gespräche, Rituale oder stille Begleitung.
Sprechen Sie offen und ehrlich über Wünsche und Ängste — mit dem Patienten, aber auch innerhalb der Familie. Solche Gespräche lösen Unsicherheiten, schaffen Vertrauen und machen den Abschied leichter.
Ein selbstbestimmter Abschied bringt nicht nur emotionale, sondern auch organisatorische Fragen mit sich. Damit Sie in dieser Zeit den Überblick behalten, haben wir eine Checkliste zusammengestellt. Sie hilft, wichtige Schritte vor und nach der Begleitung klar zu strukturieren — für mehr Ruhe, Sicherheit und Raum für das Wesentliche.
Wenn die Erkrankung die Urteils- oder Entscheidungsfähigkeit einschränkt.
Wenn die freie und bewusste Willensbildung nicht mehr möglich ist.
Etwa Schizophrenie oder vergleichbare Störungen mit beeinträchtigtem Realitätsbezug.
Begleitungen von Minderjährigen sind grundsätzlich ausgeschlossen.
Ihr Leben ist kostbar und es gibt viele Menschen, denen Sie am Herzen liegen. In einer akuten, kurzfristigen Krise wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge 0800 111 0111 oder an den Rettungsdienst unter 112.
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